Die meisten Beschwerden passieren uns oft unbewusst. So ärgere ich mich auch mal über den Stau auf der Autobahn. Manch einer verlegt immer wieder sein Handy, sucht danach und ärgert sich dabei. Unser Kopf greift automatisch nach fertigen Sätzen aus der Schublade und beschwert sich: «Die doofen Autofahrer», «ich Schussel verlege immer alles», «so viele E-Mails jeden Tag … «. Wir wiederholen sie immer wieder und das Problem darunter bleibt unangetastet (Kowalski, 2003; Kowalski et al., 2026).
Wie wäre es, wenn wir uns stattdessen sagen: „Wenn ich etwas verändern kann, suche ich den nächsten möglichen konkreten Schritt.»
Dieser Gedanke kann uns helfen, um von der unreflektierten Beschwerde-Schleife in eine echte Handlung zu kommen. Dabei hilft ein einfacher Reflexions-Prozess für den Feierabend oder direkt nach dem Frust-Moment. Dieser Prozess hat sich sehr bewährt und ist an den Life-Loop-Ansatz aus dem Life Design (Kernbach & Eppler, 2020) angelehnt:
1️⃣ Wir erkennen die Beschwerde, hinterfragen die Ursache und definieren das Zielbild
Gleich nach der Beschwerde oder am Ende des Tages halten wir kurz inne: „Was ist es genau und steckt wirklich dahinter?» Häufig ist das verlegte Handy oder der Stau nur der Auslöser. Dahinter liegt oft der Frust oder das Gefühl, nur zu funktionieren. Sobald wir wissen, was dahintersteckt, wechseln wir vom Aufzählen des Fehlenden zum Sichtbarmachen des Gewünschten. Statt „Was nervt mich?» fragen wir: „Was hätte ich stattdessen gerne?»
2️⃣ Wir suchen und testen einen nächsten Schritt
Welche kleinen Ideen kommen uns in den Sinn? Welche davon ist der erste konkrete Schritt und führt in diese Richtung? Wir wählen eine Idee aus und probieren sie direkt oder bei der nächsten Gelegenheit aus – im Sinne eines kleinen, machbaren Prototyps (Burnett & Evans, 2016; Kernbach & Eppler, 2020).
3️⃣ Wir reflektieren, lernen hieraus und passen an
Nach dem Testen werten wir unseren Prototypen aus: Hat der Schritt geholfen? Wenn ja, etablieren wir ihn als neue Gewohnheit. Wenn nein, dann probieren wir den nächsten Ansatz aus.
📌 Fazit: Wer aufhört, sich gegen unerwünschte Ereignisse zu wehren, und stattdessen Möglichkeiten sucht, gewinnt die Energie zurück, den Tag aktiv zu gestalten.
💬 Erwischst du dich auch manchmal bei derselben automatischen Beschwerde-Schleife? Welche kleinen „Verhaltens-Prototypen» haben bei dir schon etwas verändert?
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Quellen:
Burnett, B., & Evans, D. (2016). Designing your life: How to build a well-lived, joyful life. Alfred A. Knopf.
Kernbach, S., & Eppler, M. J. (2020). Life Design: Mit Design Thinking, Positiver Psychologie und Life Loops mehr von sich in das eigene Leben bringen. Schäffer-Poeschel.
Kowalski, R. M. (2003). Complaining, teasing, and other annoying behaviors. Yale University Press.
Kowalski, R. M., et al. (2026). Everyday complaining versus retail complaining: Prevalence, perceptions, and purposes. Journal of Consumer Satisfaction, Dissatisfaction and Complaining Behavior 39(1)